Presbyterium informiert über Johanneskirche

kirchemeister-wolfgang-honskampRund 170 Menschen waren der Einladung der Evangelischen Kirchengemeinde zur Gemeindeversammlung in die Johanneskirche gefolgt. Pfarrerin Annegret Duffe erinnerte an besondere Veranstaltungen des zurückliegenden Jahres: Tauffest und Gottesdienst in der Wasserburg Haus Graven. Kirchmeister Wolfgang Honskamp stellte die finanzielle Lage der Gemeinde dar: Bei steigenden Einnahmen sind auch steigende Ausgaben zu bewältigen. Rücklagen in Höhe von 3 Mio Euro dienen derzeit jährlich dem Ausgleich des defizitären Haushaltes. „Wir müssen etwas tun – das wissen wir seit Jahren“, erklärte Presbyteriumsvorsitzende Karin Seitz. Dass die genauen Finanzzahlen aufgrund von Umstellungen von der kameralen Buchführung zum Neuen Kirchlichen Finanzwesen (NKF) erst in mehren Jahren zur Verfügung stehen, ändere nichts an einer Tendenz, auf die die Gemeinde reagieren muss: „Wir leben über unsere Verhältnisse.“

pfarrerin-annegret-duffeHaushaltskonsolidierung – ein Prozess
Pfarrerin Annegret Duffe erinnerte an den mehrjährigen Prozess der Haushaltskonsolidierung, der seit Jahren auch Thema von Gemeindeversammlungen ist. Der Abbau von Personal geschieht sozialverträglich und seit mehreren Jahren. Die Dienstbereiche, in denen Mitarbeiter kündigen oder in den Ruhestand treten, organisieren sich neu, sodass Stellenanteile wegfielen. „Wir müssen auf diesem Weg weitergehen.“

Eine Gebäudestrukturanalyse hatte schon im Jahr 2012 einen Sanierungsbedarf der kirchlichen Gebäude gezeigt, den die Gemeinde nicht hätte tragen können. Also muss die Gemeinde Standorte verkleinern, modernisieren und Einahmen erzielen. In Reusrath verdankt die Gemeinde seit über 10 Jahren dem Gemeindehausförderverein namhafte Kostenerstattungen. Die Reusrather Friedhofskapelle soll aufgegeben werden und Trauerfeiern sollen in der Martin-Luther-Kirche stattfinden. Hinter der Richrather Lukaskirche werden Pfarrhäuser aufgegeben, das sanierungsbedürftige Gemeindehaus durch einen kleineren Anbau ersetzt und Wohnungen gebaut, auf deren Mieteinnahmen die Gemeinde wartet. Das Gemeindehaus in Immigrath wird derzeit saniert und das Verwaltungsgebäude soll aufgegeben werden.

Ärger…
Von Ärger geprägt war die Diskussion um die Johanneskirche. Projektleiter Wolf R. Schlünz berichtete, dass die Johanneskirche aufgegeben werde und Gemeinderäume von 160 qm an ihre Stelle treten sollen. Ebenso soll Wohnbebauung auf dem großen Grundstück möglich werden. Damit verringert die Gemeinde merklich die Unterhaltskosten und erzielt dringend nötige Einnahmen. Gegen den Abriss der Johanneskirche an der Stettiner Straße meldeten sich Gemeindemitglieder zu Wort, das Gemeindezentrum sei Mittelpunkt der Gemeinde, geistige Heimat und habe einen hohen Wert, der nicht aufgegeben werden solle.  Der „Verkauf von Tafelsilber“ sei unumkehrbar und eine Zerstörung der Mitte. Sie hatten 2.000 Unterschriften gegen den Abriss gesammelt. Rund 50 Gemeindemitglieder erhoben sich, als ein Sprecher der Initiative, Walter Kirch, sie dazu aufforderte.

projektentwickler-wolf-r-schluenz…und Verständnis
In der Versammlung gab es aber auch Zustimmung für die Pläne des Presbyteriums: es trage in schwieriger Zeit eine hohe Verantwortung und verdiene Respekt, dass es die Finanzprobleme der Gemeinde anpacke. Andere Gemeindemitglieder bedauerten auch, dass das Gemeindezentrum Johanneskirche nicht in der heutigen Größe gehalten werden könne, zeigten aber Verständnis für die Entscheidungen.

Pfarrerin Schiller-Meyer kündigte an, dass am 29.1.2017 der letzte Gottesdienst in der Johanneskirche gefeiert werde, als Abschluss einer Abschiedswoche. Für alle Gruppen gebe es konkrete Pläne, wie sie mit dem Verlust der Johanneskirche umgehen. Z.B. würden viele Gruppen im Gemeindehaus Immigrath Platz finden. Pfarrer Hartmut Boecker lud die Gemeindemitglieder ein, ab Februar 2017 Gottesdienste und Gemeindearbeit im CBT-Haus (Eichenfeldstr.) zu erleben. An das Alten- und Pflegeheim ist eine Tagesstätte angegliedert, deren Räume –ca. 160 qm- in der mehrjährigen Bauphase von der evangelischen Gemeinde mitgenutzt werden können. „Die Erfahrungen, die wir da machen, werden uns helfen, wie wir später wieder hier in der Stettiner Straße Gottesdienste und Gruppen haben werden.“

Fotos: Bleckmann