Neues Oster-Parament für die Martin-Luther-Kirche

In aufwändiger Handarbeit wurde von Kerstin Fröse und Valeska Stengert (Kaiserswerther Paramente) ein textiler Schmuck für Altar und Kanzel der Martin-Luther-Kirche geschaffen.

Paramente sind handgefertigte Textilien, die man in vielen Kirchen an Altar und Kanzel sieht. Nun schmücken zwei neue Paramente die Reusrather Kirche: mit viel Weiß und Gelb, etwas Gold und einem Stück Holz. Die Kaiserswerther Werkstatt Paramente hat diese wertvollen und einzigartigen Stücke geschaffen, die in der Oster- und Weihnachtszeit zu sehen sind. Die Neuanschaffung wurde durch Spenden möglich. Herzlichen Dank dafür!

Das Foto oben  (Kaiserswerther Paramente) zeigt einen Ausschnitt vor der Fertigstellung.

 

Kaiserswerther Parament in der Martin-Luther-Kirche

Für die Oster- und Weihnachtszeit gibt es jetzt ein neues Parament in der Reusrather Martin-Luther-Kirche. Der wertvolle Vorhang für Altar und Kanzel konnte dank großherziger Spenden angeschafft werden. Auf der  liturgischen Farbe Weiß ist ein Kreis in gelb-orange zu sehen.

Im Zentrum des Kreises sind zwei kleine Stücke Holz eingearbeitet.  Aststücke, abgebrochen, nicht ganz eben. Auf jeden Fall so roh und unbearbeitet, wie man sie im Wald finden könnte. Einzig sind sie an einigen Stellen mit einer feinen Goldschicht überzogen. Teilvergoldet, darunter immer sichtbar: das rohe Holz, rau und natürlich gewachsen. Handwerkliche Bearbeitung ist sichtbar, aber zurückhaltend. Dem Holz wurde nicht mit der Säge seine Form aufgezwungen, sondern die menschliche Hand hat sich von der Gestalt des Holzes leiten lassen, hat Blattgold aufgetragen und die beiden Teile miteinander verbunden und in die Mitte des Kreises und genau auf die horizontale Linie angebracht, geschnürt, eingewoben, wie man Holz und Textil verbinden kann. Holz – auch zu biblischen Zeiten ein Werkstoff für Alltagsgegenstände, aber auch Musikinstrumente und für den Hausbau. Die Zedern des Libanon waren kostbares Baumaterial für den Salomonischen Tempel. Jesus war Sohn eines Zimmermanns, also sein Vater Josef dürfte allgemein im Baugewerbe tätig gewesen und wird sich mit Holzbearbeitung ausgekannt haben. Holz erinnert an die Krippe und an das Kreuz. Krippe und Kreuz – Symbole des heruntergekommenen Gottes. Jesu Leben beginnt in der Armut der Krippe, “denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge”: Jesu Leben endet am Kreuz, Symbol der Erniedrigung, der Erfahrung von Unrecht und Gewalt, Symbol des Todes.

An Weihnachten und an Ostern werden wir dies sehen und uns an den Weg Jesu erinnern. Und wir werden an unsere Holzerfahrungen erinnert, an unsere Dürftigkeit, an unsere Armut, an unsere Verzweiflung, an unsere Erfahrungen von Unrecht und Tod. Dies alles gehört zu uns genau wie die Sehnsucht nach Harmonie und Heilsein. Mit all dem, den schweren Erfahrungen und dem Sehnen nach Mehr, sind wir hier richtig. So rund und voll wie das Leben ist, soll es in dieser Kirche zur Sprache kommen und gefeiert werden. Das Parament lädt dazu ein und sagt: Hier bist Du richtig. Deine Erfahrung – bring sie mit. Es ist auch Gottes Erfahrung. Bring mit, auch was Dir schwer ist. Du bist getragen. Auch wenn Du dich vielleicht schämst für das, was Dir widerfahren ist – Du bist hier richtig. Auch wenn Du mit Deiner Sehnsucht nach Ganzheit und Harmonie immer an den Realitäten scheiterst – hier darfst Du sein und hoffen und sehnen und glauben und dich orientieren und stärken lassen.

So ein Parament ist ja in einer ansonsten wenig geschmückten Kirche ein wichtiger Blickpunkt. Es soll Konfirmanden geben, die von den vielen Worten, die sie in Gottesdiensten gehört haben, nicht allzu viel behalten haben. Aber was sie gesehen haben, hat sich eingeprägt. Ich wünsche dem Parament, dass es genauso gesehen wird und sich einprägt und Menschen anregt.

Pfarrer Christof Bleckmann

Fotos (3): Volker Gutsmann