Kolumbarien und Urnengräber

Mit Bibellesung und Gebet hat die evangelische Kirchengemeinde Langenfeld neue Gräber in Gebrauch genommen: Urnenkammern (Kolumbarien) und Urnengräber. Seit März 2008 ist das Angebot an Grabarten auf beiden evangelischen Friedhöfen erheblich erweitert. Zusätzlich zu den bestehenden Wahl- und Reihengräbern gibt es nun auch Gräber für Erd- und Urnenbestattung, bei denen eine einfache Dauerpflege angeboten wird.

Für viele Trauernde ist der Friedhof ein unersetzlicher Ort des Gedenkens an ihre Verstorbenen. Die christlichen Gemeinden beteiligen sich mit ihren Friedhöfen an dem öffentlichen Auftrag, für die Verstorbenen einen würdevollen Ort der Beisetzung zu sichern. Friedhöfe sind gottesdienstliche Orte, auf denen Gottes bleibende Treue verkündigt wird. Es sind gärtnerisch hochwertig gestaltete Orte, bieten Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Die Friedhofskultur in Deutschland ist in erkennbarer Veränderung. Große Familiengrabstätten sind angemessen, wo eine große Familie besteht. Wenn das nicht der Fall ist, suchen viele nach anderen Grabarten. Mit der Grabpflege fühlen sich manche überfordert, und manchmal besteht die Sorge, dass ein Grab ungepflegt verwildern könnte. Alternativen sind pflegearme Grabarten wie Urnengräber, die erheblich kleiner sind.

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Kolumbarien auf dem evangelischen Friedhof Immigrath

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Kolumbarien auf dem evangelischen Friedhof Reusrath

Zu den Veränderungen trägt die Mobilität der Gesellschaft erheblich bei. Es ist nicht mehr die Regel, dass eine Familie über Generationen am selben Ort lebt. Der Aufwand, für ein Grab zu sorgen, steigt erheblich, wenn man eine weite Anreise hat. Gleichzeitig ist der Tod kein Tabu-Thema mehr. Offener als noch vor einer Generation sprechen Menschen darüber, planen auch, wie sie bestattet sein wollen. Dass der Tod zum Leben gehört, ist allgemein akzeptiert. Jeder weiß, was „Trauerarbeit“ ist. Ein Netz von Trauerbegleitern ist entstanden. In Langenfeld hat die Hospiz-Bewegung viele Unterstützer – all dies sind Zeichen einer hilfreichen Auseinandersetzung mit dem Tod.

Friedhöfe sind Orte, die den Toten, aber auch den Trauernden gewidmet sind. Es sind Orte der Erinnerung und der Verarbeitung. Grabpflege kann ein Zeichen bleibender Zuneigung sein. Aber auch, wer eine pflegearme Grabart wählt, hat den Wunsch nach einem würdevollen Ort des Gedenkens an die Verstorbenen. Zuweilen ist es für Trauernde auch wichtig, den Friedhofsbesuch zu beenden, um sich wieder dem Leben zuzuwenden. Die Friedhofstür fällt hinter einem ins Schloss, und nach dem vielleicht immer noch schmerzlichen Gedenken folgt eine Hinwendung zum Alltag und seinen Herausforderungen.

Bei den neuen Grabarten ist zu unterscheiden zwischen Urnen-Reihengräbern, die einmalig mit einer Urnen belegt werden können, und Urnenwahlgräber, die fortlaufend mit bis zu vier Urnen belegt werden können. Urnenkammern, sogenannte Kolumbarien, bedürfen gar keiner Pflege. Sie können mit bis zu zwei Urnen belegt werden. Neu ist auch, dass die Kirchengemeinde eine einfache Dauerpflege anbietet für Urnenreihengräber (mit Rasen) und Erdreihengräber (mit Bodendecker und Grabplatte).

Die Gemeinde zeigt mit diesem breiten Angebot realistische Alternativen zu anonymen Beisetzungen, bei denen fraglich ist, wie die Würde des Verstorbenen gewahrt werden kann. Darum gibt es auf den kirchlichen Friedhöfen keine Bestattung, bei denen der Ort der Beisetzung unbekannt wäre.

Alle Grabarten bestehen ab 1.3.2008 auf den beiden evangelischen Friedhöfen in Reusrath und in Immigrath. Die Ruhezeiten für Erdbestattungen (ab dem 6. Lebensjahr) sind auf beiden Friedhöfen auf 25 Jahre festgelegt worden, für Urnen ist die Ruhezeit auf 15 Jahre festgelegt worden. Verstorbener Kinder bis zum vollendeten 5. Lebensjahr haben ebenfalls 15 Jahre Ruhezeit.

Alle näheren Informationen und die neue Friedhofsordnung gibt es im Gemeindebüro (Telefon 02173 – 92 77 0).

Die Grabarten in der Übersicht

1. Reihengrabstätten für Erdbestattungen (ein Sarg oder eine Urne, keine Verlängerung möglich)
2. Reihengrabstätten für Urnenbeisetzungen (eine Urne, keine Verlängerung möglich)
3. Reihengrabstätten für Erdbestattungen mit Dauerpflege (ein Sarg, keine Verlängerung möglich)
4. Reihengrabstätten für Urnenbeisetzungen mit Dauerpflege (eine Urne, keine Verlängerung möglich)
5. Wahlgrabstätten für Erdbestattungen (ein Sarg und bis zu zwei Urnen, Verlängerung möglich)
6. Wahlgrabstätten für Urnenbeisetzungen (bis zu vier Urnen, Verlängerung möglich)
7. Urnenkammern für Urnenbeisetzungen (bis zu zwei Urnen, Verlängerung möglich)

Stand: 1.3.2008. Details bitte erfragen. Besondere Bestimmungen gelten für Kindergräber.

Was ist das für ein Ort

Ansprache von Pfarrer Volker Raettig am 5.3.2008 an den Kolumbarien auf dem Ev. Friedhof Reusrath

Was ist das für ein Ort,
an dem wir stehen?

Ist es der Ort des Schreckens,
der letzte Ort,
der allerletzte?
Die Endstation?

Wie können wir
mit diesem Ort leben,
ihn aushalten?

Nicht bloß mit kaltem Schauer
und schlechtem Gefühl …

Die Bedeutung dieses Ortes,
seine Atmosphäre und sein Stellenwert,
hängt einzig und allein von der Frage ab,
ob wir noch eine HOFFNUNG haben,
über den Tod hinaus.

Ist der Tod das Ende,
ist das Leben eine Sackgasse.
Ist die Asche das Ziel,

dann sind wir hier
am Ort der bittersten Wahrheit,
am Ort endgültiger Leere,
dann ist dieser Friedhof,
dann sind diese Columbarien
ein Denkmal des Todes,
der das letzte Wort hat.

Ist aber der Tod ein Übergang
und unser Sterben ein Umzug,
ein Wechsel in eine andere Wohnung
unter dem grossen, unglaublichen Dach
der Liebe Gottes,
dann ist das Leben hier
nicht zu verbrennen,
dann ist die Asche das,
was wir zurücklassen,

um zum Schöpfer des Lebens,
der uns allen das Leben gibt,
zurückzukehren –

so wie Jesus, der Christus,
der auferstandene Bruder und Freund.

Darum sind wir hier
in diesem Augenblick
nicht stumm und sprachlos.

Wir leihen uns Worte der HOFFNUNG aus
und sprechen sie hinein
in diesen Friedhof, diese Columbarien,
diesen Ort der Entsorgung des Todes.

Ich lese Worte der Bibel

Sie hat Vokabeln des Widerspruchs gegen die Macht des Todes.
Ich lese aus 1. Korinther 15 [35-38 und 42-45]

35 Es könnte aber jemand fragen: Wie werden die Toten auferstehen, und mit was für einem Leib werden sie kommen?
36 Du Narr: Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt.
37 Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, sei es von Weizen oder etwas anderem.
38 Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, einem jeden Samen seinen eigenen Leib. …
42 So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.
43 Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft.
44 Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Gibt es einen natürlichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen Leib.
45 Wie geschrieben steht: Der erste Mensch, Adam, »wurde zu einem lebendigen Wesen« (1. Mose 2,7), und der letzte Adam zum Geist, der lebendig macht.

Gebet

Gott, deine Gnade ist es, dass wir leben
und deine Gnade, dass wir sterben.
Darum lass uns
weder das Leben fürchten
noch den Tod.
Unser Leben ist begrenzt,
und das ist gut so.
Gott, es ist deine Liebe, dass wir leben,
und deine Liebe, dass wir sterben.
So öffne unsere Sinne für deine Liebe.

Gott, das Leben, das du uns schenkst,
ist kostbar,
unsere Zeit, jeder einzelne Tag.
Die Zeit können wir nicht zurückholen,
und was in Zukunft sein wird,
können wir uns noch nicht vorstellen.
Gott zeige uns, wie wir leben können. Amen.

Fotos: Volker Raettig