Johannes vom Kreuz: Die Gabe des Hörens

Hören ist keine Tätigkeit, keine Fähigkeit, die man durch Übung erlernen oder verbessern könnte. Der hörende Mensch ist still, weil er sich im Innersten angesprochen weiß, berührt von einer stillen Stimme, die ihn zärtlich zuruft und meint. Diese tonlose Stimme hat ihm sein Ohr geöffnet und ihn in die Zugehörigkeit hineingenommen.

Das ist die Gabe des Hörens: Gottes Einladung an uns, hörend, das heißt: ihm zugehörig, zu leben.

Die Poesie von Johannes vom Kreuz redet unablässig von dieser Gabe, von dieser Selbstgabe Gottes an uns, seine Geliebte. Von seiner unendlich feinen und zarten Berührung, die uns zu Liebenden macht. Für ihn ist die Beziehung zwischen Gott und Mensch nur als innigste Liebesbeziehung vollgültig denkbar, jede andere Vorstellung greift zu kurz. Und nur die Poesie findet Worte für dieses Geschehen, das nicht in klaren, gefestigten Worten zu fassen ist. Denn ihre Sprache ist Andeutungssprache, Stammelsprache, Funkensprache.

Johannes vom Kreuz war ein Hörender wie kein anderer. Und seine Poesie kann uns helfen, Hörende zu werden, ganz Ohr zu werden – für Gott, wie Gott.

Ausklang bei Brot und Wein.

Wann: Freitag, 18.3.2016, 19–21.15 Uhr
Wo: Evangelische Erlöserkirche, Hardt 23, 40764 Langenfeld
Referent: Antoine Beuger
Information: Sigrid Tietjen, 0 21 73 – 8 07 84

 

Foto: Thomas Ledl commons.wikimedia.org