Elternwort zu den Konfirmationen an der Erlöserkirche

Liebe Konfirmandinnen, liebe Konfirmanden,

heute ist ein ganz besonderer Tag für Euch. Ihr werdet konfirmiert. Wir Eltern möchten Euch für Eure weitere Lebensphase unsere eigenen Gedanken und Worte mit auf den Weg geben. Auch wir knüpfen an Kapitel 1 Psalm 91 an:

„Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“

Der Schirm ist ein Symbol für den vielfältigen Schutz, den Gott uns anbietet und der uns durch das Leben, den Alltag, begleitet. Er ist immer da, auch wenn wir ihn nicht sehen und spüren.

Bis jetzt haben wir Eltern euch Kinder vor vielem beschützt mit unserem Schirm der Liebe. Doch möchtet ihr ewig unter dem Elternradarschirm bleiben? Ihr wagt immer größere Schritte in die Selbstständigkeit. Da ist es gut zu wissen, dass Ihr nicht allein seid, sondern es noch einen anderen größeren Schirm gibt.

Gott schützt alle, die auf ihn vertrauen. Gott ist kein Smartphone, das wenn man es braucht, kein WLAN findet. Aber wie beim Smartphone sollte man bei gutem WLAN und vollem Akku verstehen, wie das Leben mit Gott funktioniert und gelingt. Dabei hilft Euch Übung wie bei Technik, Sport und Musik. Sie hilft euch beim Zugang zu Gott.

In den letzten Monaten habt ihr euch mit Gott intensiver beschäftigt. Ihr habt ihn besser kennengelernt. Vielleicht habt ihr ihn im Alltag bemerkt oder auf seine Hilfe gehofft.

„Unter dem Schirm des Höchsten …“ – das heißt auch: Wir müssen den Schirm nicht selber halten – müssen ihn nicht selber fest- oder hochhalten. Dadurch haben wir beide Hände frei – frei um aktiv und mutig zu handeln – um unser Leben in die Hand zu nehmen. „Martin Luther King war überzeugt: „Kein Problem wird gelöst, wenn wir träge darauf warten, dass Gott allein sich darum kümmert“. Dass Gott den Schirm wirklich hält, merken wir erst, wenn wir ihn selber loslassen.

Gottes Schutz erspart uns nicht jeden Regenschauer im Leben, aber er gibt uns die Kraft, damit umzugehen. Wir erleben immer wieder, wie schutzbedürftig wir sind. Auf vieles haben wir keinen oder nur wenig Einfluss. Krankheiten, Unfälle, Missverständnisse und Streit mit Freunden können unser Leben belasten.

In diesen Situationen ist euer Handeln gefordert. Der Schirm gibt euch emotionale Stabilität, das heißt ihr könnt eure Emotionen kontrollieren. Seid kritisch zu euch und auch zu anderen. Äußert ruhig eure Meinung, sagt, was Euch passt und was nicht. Seid mutig und steht zu euch. Zweifelt nicht an euch, sondern nehmt euch so an wie ihr seid. Manche Menschen werden euch nicht verstehen, sie stellen eure Meinung in Frage. Gottes Schirm ist dann Kraftquelle und Rückzugsmöglichkeit für euch, wie früher für die Menschen eine feste Burg.

Unter dem schützenden Schirm werdet ihr den richtigen Weg durch das Leben finden, denn ihr habt Gott an eurer Seite. Der Weg wird mal sonnig, mal steinig, mal sandig und mal spiegelglatt sein. Gott bleibt in Reichweite und er breitet seine Hände aus, seinen Schirm über euch. Auch wenn ihr das Gefühl habt, dass alles aus den Fugen gerät, dann könnt ihr nach dem Schirm greifen und euch an ihm festhalten. Wir Eltern freuen uns, dass ihr nun den großen Schirm über euch wisst. Wir Eltern vertrauen auf Gott und seinen Schirm. Vertraut auch Ihr auf Eurem Weg auf Gott. Er gibt euch Hoffnung, Halt und Zuversicht wie eine feste Burg.

Gottes Schirm ist für jeden da. Freut euch darüber, dass ihr einen Schirm für jeden Tag habt. Vergesst auf Eurem Weg die anderen nicht. Gewährt ihnen ebenfalls Schutz und Trost, gemeinsam und gegenseitig. Zeigt euren Freunden wie gut euch dieser Schirm schützt und wie praktisch so ein Schirm ist.

Jeder sollte einen Schirm haben.

 

Foto: Volker Gutsmann
Text im Foto: Gemeindebrief.de