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Kantorin Ute Grapentin geht in den Ruhestand

  • Beitrags-Kategorie:Aktuelles / Archiv / Musik
  • Beitrag zuletzt geändert am:10. Mai 2024

In 38 Jahren hat Ute Grapentin als Kantorin voller Hingabe und Leidenschaft für die Musik die musikalische Landschaft an der Martin-Luther-Kirche in Reusrath geprägt und bereichert. Nun geht sie in den wohlverdienten Ruhestand. 

Mit großen Chorwerken und musikalischen Perlen hat sie in fast vier Jahrzehnten viele unvergessliche Momente geschaffen und die Herzen vieler Menschen berührt. Ihr temperamentvolles Orgelspiel und der schöne Chorgesang haben die Gemeinde begeistert. Der Abschiedsgottesdienst am 5. Mai 2024 unter der liturgischen Leitung von Pfarrerin Annegret Duffe und mit Unterstützung des Chores der Martin-Luther-Kirche war in diesem Sinne sehr musikalisch und schwungvoll. Anschließend waren alle Besucher zu einem Empfang im Gemeindehaus eingeladen.

Im Folgenden findet sich ein Interview von Ute Grapentin und andere Stimmen zum Abschied. Am Ende steht ein Bild von der Aufführung des Weihnachtsoratoriums von J.S. Bach im Januar 2020.

Das Interview:

Was hat Sie bewogen, Kirchenmusikerin zu werden?

Ute Grapentin: Aufgewachsen bin ich in einer von Kirchenmusik geprägten Familie. Mein Vater, Karl-Heinz Grapentin, war Kantor an der Lutherkirche in Solingen. Die Liebe zur Kirchenmusik war mir sozusagen in die Wiege gelegt. Schon von sechs Jahren an lernte ich Klavierspielen und von zwölf Jahren an Orgel.  

Wie sah Ihre Ausbildung aus? 

Nach der Schule machte ich zunächst eine Ausbildung als Zoofachverkäuferin und anschließend eine Ausbildung als zahnmedizinische Fachangestellte. Ich lernte Prof. Almut Rössler kennen, die die Kantorei der Johanneskirche in Düsseldorf leitete, und erhielt Unterricht von meinem hochverehrten Lehrer Kirchenmusikdirektor Eberhard Wolfgang Emmert, der an der Dorper Kirche in Solingen wirkte. Dieser Einfluss führte zu meinem Entschluss, Kirchenmusik zu studieren. Ich besuchte die Kirchenmusikschule des Robert-Schumann-Instituts in Düsseldorf und legte dort die C-Prüfung ab.

Wie sind Sie an die Martin-Luther-Kirche gekommen?

Im Jahr 1986 habe ich zunächst den Chor der Martin-Luther-Kirche übernommen, später dann auch das Orgelspiel während der Gottesdienste. Damals war Werner Köhl Pfarrer in Reusrath. Er hatte großes Interesse an der Kirchenmusik und betrieb deren Ausbau in Reusrath mit großem Engagement. Pfarrer Köhl hat mich an die Martin-Luther-Kirche geholt und meine Arbeit immer sehr gefördert.

Wie gestaltete sich Ihre Arbeit an der Martin-Luther-Kirche?

Zu Beginn habe ich mich sehr bemüht, den Chor zu verstärken. Über die Arbeit mit dem Kinderchor und über meine eigenen Kinder, Mirjam und Johannes, lernte ich junge Frauen kennen, die Interesse hatten, im Chor mitzusingen. Es sprach sich herum, dass Singen in Reusrath Spaß macht.

Der Chor entwickelte sich prächtig und wurde immer besser. Wir haben Kantaten von Buxtehude und Bach aufgeführt und im Jahr 2008 auch das Magnifikat von Bach. Für die Chormitglieder war diese Entwicklung unglaublich wichtig. Ich habe noch einen Kinder- und Jugendchor gegründet und mehrere Flötenkreise. Für meine Arbeit wurde mir im Jahr 1997 der Titel „Kantorin“ verliehen. 

Was waren die Höhepunkte Ihrer Arbeit?

Wir haben alle Kantaten des Weihnachtsoratoriums von Bach aufgeführt, die Teile 1 bis 3 in St. Barbara und die Teile 4 bis 6 in der Martin-Luther-Kirche. Das war für mich der Höhepunkt meiner Arbeit. Zu erwähnen sind noch die Johannespassion von Bach und der Elias von Mendelsohn.

Was lag Ihnen besonders am Herzen?

Die Arbeit mit Kindern. Zeitweise haben wir jährlich zwei Singspiele eingeübt und aufgeführt. Zu Weihnachten zum Beispiel „Eddi und die Weihnachtskugel“ und im Sommer Märchensingspiele wie „Geisterstunde auf Schloss Eulenstein“ oder „König Drosselbart“.

Mitglieder Ihres Chores haben Sie einmal als „eckig“ bezeichnet. Was könnte damit gemeint sein?

Jeder Mensch hat seine Ecken und Kanten, bei mir scheinen sie etwas stärker ausgeprägt zu sein. Natürlich verlief die Arbeit in unserem Chor nicht immer ganz reibungslos, aber das ist wohl völlig normal.

Wie sehen Sie im Rückblick die Zusammenarbeit mit den Pfarrerinnen und Pfarrern?

Mit allen Pfarrerinnen und Pfarrern habe ich gut zusammengearbeitet. Mit den Reusrathern war dies natürlich immer intensiver. Manchmal habe ich mir allerdings eine bessere Einbindung in die kirchenmusikalische Planung der Gottesdienste gewünscht. 

Was gefällt Ihnen an Ihrer Wirkungsstätte, der Martin-Luther-Kirche, besonders?

 Die eindrucksvolle Gestaltung von Altar, Kanzel und Orgel und dann natürlich der besondere Klang der Orgel. Sie wurde von der Firma Weyland umgebaut und restauriert, später dann von der Firma Schuke generalüberholt. „Meine“ Orgel werde ich wirklich vermissen … 

Sie gehen nun in den Ruhestand. Was empfinden Sie dabei?

Ich gehe mit dem guten Gefühl, etwas aufgebaut zu haben, was hoffentlich weitergeführt wird, wenn auch sicherlich auf eine ganz andere Art. Insgesamt empfinde ich eine große Dankbarkeit für die vielfältigen Erlebnisse und die Begegnungen mit guten Menschen. Ich zitiere gerne die Gruppe Brings: Es war „ en superjeile Zick“.

Wie werden Sie Ihren Ruhestand gestalten?

Wo eine Tür geschlossen wird, öffnen sich andere. Ich habe mich für das Ehrenamt Schöffin beworben und wurde ernannt, eine spannende Tätigkeit. Im Kirchenkreis Solingen werde weiter kirchenmusikalisch arbeiten. Ansonsten nimmt mich mein Hund Ronny voll in Anspruch. Auch mit meinen Enkelkindern, die in Südfrankreich leben, möchte ich mehr Zeit verbringen. 

Was bleibt Ihnen von Ihrer langen Tätigkeit?

Die Arbeit mit den Chören führte zu intensiven Freundschaften. Ich trauere um die Menschen, die nicht mehr mit mir gehen, und bin dankbar für alle, die mich am 5. Mai begleiten. 

Können Sie jungen Menschen empfehlen, Kirchenmusik zu ihrem Beruf zu machen?

Auf jeden Fall. Es ist ein ausfüllender und vielseitiger Beruf, der Kontakte zu vielen ganz unterschiedlichen Menschen mit sich bringt.

Das Gespräch führten Karin Bahr und Jochen Herling.

„Mer losse d´r Dom in Kölle“ 

– so klang es im Februar von der Orgel. 

Ute Grapentin konnte nach längerem Ausfall endlich wieder an „ihrer“ Orgel spielen und hatte hörbar Freude daran. Wie die Kantorin gestimmt ist, wurde in Reusrath immer schon nach wenigen Tönen klar. Ich erinnere mich an schöne Gottesdienste, wenn sie am Schluss die Gemeinde mit einem besonderen Orgelnachspiel beschenkt hat, wenn wir beide uns freuten über die alten und neuen Lieder, die wir mit der Gemeinde in der Advents- und Weihnachtszeit herbeigesehnt haben. An den Gesang des Chors am 1. Weihnachtsfeiertag, der manchem eine Gänsehaut beschert hat. Ute Grapentin war für uns in der Martin-Luther-Kirche ein Glücksfall, weil sie trotz ihres geringen Stellenumfangs mit so hoher Qualität und professionellem Anspruch für und mit so vielen alten und jungen Menschen musiziert hat. 

Alt geworden ist Ute Grapentin hier nicht, obwohl sie bei weitem am Längsten in dieser Gemeinde Dienst als Kantorin getan hat. Immer noch lässt sie sich auf Neues ein, immer noch ist sie aufgeregt vor einem Konzert. So sehr wir ihr den Ruhestand gönnen und ihr Gesundheit wünschen und alles Gute, so sehr werden wir sie auch vermissen.

Pfarrerin Annegret Duffe

Stimmen aus dem Chor

„Nachdem wir nach Reusrath gezogen waren, hörte ich den Chor in einem Gottesdienst. Mir gefiel die engagierte, lebendige und teilweise temperamentvolle Art, mit der Ute den Chor dirigierte. Ich dachte sofort: In diesem Chor würde ich auch gerne mitsingen. Ein Jahr später wurde ich aktives Chormitglied und bin es bis heute geblieben.“

„Utes direkte Art, einen zu Leistungen anzuregen, bewundere ich jedes Mal.“ 

„Ute hat die große Gabe, uns schwere Stücke leicht zu vermitteln.“ 

„Die Probenarbeit führte sie immer zielgerichtet auf Gottesdienst oder Konzert aus.“

„Die Proben bauen gut aufeinander auf, sie eiert nicht rum, sondern erreicht etwas mit uns. Sie ist sehr professionell und macht das Ganze mit einem „eckigen“ Charme.“

„Ich finde es erstaunlich, zu welchen Leistungen sie unseren kleinen Chor angetrieben hat und wie viele große Werke sie in den letzten 25 Jahren, die ich Chormitglied bin, mit uns aufgeführt hat.“

„Von den vielen Projekten, die Ute mit uns durchgeführt hat, erinnere ich mich besonders an die Aufführung der „Johannespassion“, an das Oratorium „Elias“ und unseren letzten größeren Auftritt mit dem Weihnachtsoratorium im Januar 2020.“ 

Auch die Rheinische Post hat einen Artikel zu Ute Grapentins Abschied verfasst.

Wir wünschen ihr für diesen neuen Lebensabschnitt alles Gute, viel Musik, Gesundheit und Glück.