Lese-Gottesdienst zu Palmsonntag 2021

Lese-Gottesdienst zu Palmsonntag 2021

„Der Einzug Jesu in Jerusalem und die Sprache der Zeichen“

Palmsonntag

Der Einzug in Jerusalem“

Duccio di Buoninsegna (um 1255 – 1319) Siena, Museo del Domopera

Quelle: Wikimedia Commons

Tageslosung für den 28. März 2021

Jesus zog umher in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich (Gottes) und heilte alle Krankheiten und Gebrechen.“ Matthäus 9,35

Bei dem Herrn findet man Hilfe. Dein Segen komme über dein Volk! Psalm 3,9

Am heutigen Palmsonntag schauen wir auf den Einzug von Jesus in Jerusalem. Dieser so ungewöhnliche Triumphzug von Jesus ist es wert, genau betrachtet zu werden.

Für alle vier Botschafter des Evangeliums (Markus, Lukas Matthäus und Johannes) war dieser außergewöhnliche Empfang von Jesus in Jerusalem wenige Tage vor seinem irdischen Tod unbedingt erzählenswert.

Künstler aller Zeiten haben diese Szene immer wieder gern illustriert.

Das erste Lied in unserem Gesangbuch eg 1 verweist auf genau diesen Einzug. Wir kennen das Lied „Macht hoch die Tür“ alle als Adventslied, doch eigentlich ist es ein Lied, das den Einzug Jesu in Jerusalem besingt.

Macht hoch die Tür“ eg 1,1
1. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.

Gebet
Barmherziger Gott,
Du hast uns Jesus geschenkt.
Er war so sehr auf Dich bezogen,
dass wir ihn DEINEN Sohn nennen.
Seine Verbundenheit mit DIR
offenbart sich in seiner Liebeskraft.
An dieser magischen Liebesquelle
laben Menschen seit Jahrhunderten ihre Seele.
Gott,
auch wir möchten uns im Dunstkreis von Jesus bewegen.
Wir möchten sein Wort hören und im Herzen bewegen.
Wir möchten seine Heilkraft sehen und seinen Geist einatmen.
Wir möchten uns ausrichten auf Jesus mit dem Taizégesang:
Unsere Augen sehn stets auf den Herren.
Amen.

Liedruf aus Taizé „Oculi nostri“ Lieder zwischen Himmel und Erde, Nr. 106
Oculi nostri ad Dominum Deum. Oculi nostri ad Dominum nostrum.
Unsere Augen sehn stets auf den Herren.

Ein Mensch unserer Zeit hat sich in den Erfahrungen des 30. Psalms wiedererkannt.
Er hat die alten Bilder in sein Leben so übertragen:

Nach Psalm 30

Der Herr hat mich erhört,
auf ihn baue ich mein Leben lang.
Darum will ich nicht mehr stumpf ins Dasein dösen
und stumm sein wie ein Fisch.
Der Herr hat mich geführt, er hat geholfen.
Darum will ich seinen Namen preisen
und groß an den Himmel schreiben.
Du hast meine Klage verwandelt in Melodie und Rhythmus.
Denn aus der Tiefe rief ich zu dir,
und du hast mich aus der Tiefe gezogen.
Du hast meine Hoffnungslosigkeit verwandelt
in eine unbegrenzte Liebe.
Nach Psalm 30 von Uwe Seidel

Macht hoch die Tür“ eg 1,2
2. Er ist gerecht ein Helfer wert; Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit;
all unsre Not zum End er bringt, derhalben jauchzt mit Freuden singt:
Gelobet sein mein Gott, mein Heiland groß von Tat.

Kurze Einführung
Die ursprüngliche Fassung der Erzählung vom Einzug von Jesus in Jerusalem findet sich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen vermutlich im Markus-Evangelium. Daran haben sich die anderen Evangelienschreiber orientiert.
Menschen wussten damals von Jesus schon per Mundpropaganda, auch wenn sie ihn vorher nicht zu Gesicht bekommen hatten. Jesus ging einfach ein gewisser Ruf voraus. Daran orientierte sich auch Markus, wenn er uns nun vom Einzug in Jerusalem berichtet:
Markus 11,1-11
Lutherbibel 2017
1 Und als sie (Jesus und seine Jünger) in die Nähe von Jerusalem kamen,
bei Betfage und Betanien am Ölberg, sandte er zwei seiner Jünger
2 und sprach zu ihnen:
Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und alsbald wenn ihr hineinkommt,
werdet ihr ein Füllenangebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat;
bindet es los und führt es her!
3 Und wenn jemand zu euch sagen wird: „Was tut ihr da?“, so sprecht:
Der Herr bedarf seiner, und er sendet es alsbald wieder her.“
4 Und sie gingen hin und fanden das Füllen angebunden an einer Tür
draußen am Weg und banden`s los.
5 Und einige, die da standen, sprachen zu ihnen: „Was tut ihr da, dass ihr das Füllen losbindet?“
6 Sie sagten aber zu ihnen,wie ihnen Jesus geboten hatte, und sie ließen`s zu.
7 Und sie führten das Füllen zu Jesus und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf.
8 Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg, andere aber grüne Zweige, die sie auf den Feldern abgehauen hatten.
9 Und die vorangingen und die nachfolgten, schrien: „Hosianna! Gelobt sei der da kommt in dem Namen des Herrn!
10 Gelobt sei das Reich unseres Vaters David, das da kommt!
Hosianna in der Höhe!“
11 Und er ging hinein nach Jerusalem in den Tempel und er besah ringsum alles, und spät am Abend ging er hinaus nach Betanien mit den Zwölfen.

Macht hoch die Tür“ eg 1,3
3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat.
Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein.
Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat.

Lese-Predigt
Der Einzug Jesu in Jerusalem und die Sprache der Zeichen“
Liebe Mitmenschen in der Nachfolge Jesu

Zu allen Zeiten werden Menschen auf ihre Glaubwürdigkeit geprüft. Das erleben wir gerade wieder einmal in der Politik, wo Menschen ihre Macht missbraucht haben zum eigenen Vorteil. Da steht dann nicht mehr der Dienst am Mitmenschen im Vordergrund, sondern das eigene Interesse. Ich möchte diese Menschen heute nicht an den Pranger stellen, auch wenn ich natürlich solch eine persönliche Vorteilsnahme auf Kosten anderer zutiefst ablehne. Ich möchte diese Art der Korruption schon missbilligend benennen, aber die Schwäche dieser Menschen nicht noch zusätzlich bloßstellen, weil vielleicht jeder und jede von uns in dieser Hinsicht an gleicher Stelle ebenso verführbar wäre. Alle Vorteilsnehmer müssen nun mit den Folgen (Konsequenzen) dieser Tat nun leben, das wird belastend genug für sie sein. Ihr Ruf ist demoliert. Aber: die wenigsten von uns sind wirklich bereit, sich für andere Menschen freimütig, ehrlich und aufrichtig und mit ihrem ganzen Herzen einzusetzen. Ich jedenfalls möchte mit keinem dieser Politiker tauschen und ihr Leben leben, das so wenig Zeit für die eigene Familie, für Freunde, zur Einkehr, zur Muße und zur Besinnung lässt. Wir alle möchten an der Staatsspitze eine gute Führung haben, aber wie viele sind bereit, sich hier wirklich selbst einzubringen. Schon bei den kleinen Ehrenämtern im eigenen Umfeld (Kirche und Stadt, Schule und Vereine) gibt es nicht gerade eine riesige Nachfrage. „Geld regiert die Welt“, eine uralte Weisheit.

Zu allen Zeiten werden Menschen auf ihre Glaubwürdigkeit geprüft. Auch Jesus steht immer wieder auf dem Prüfstand. Und die wichtigsten Botschaften kursieren wie eh und je von Mund zu Mund. „Langenfeld ist ein Dorf“, heißt es dann, wenn man sich wundert, dass sich schon wieder eine eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitet. Mundpropaganda gab es schon damals in Israel. Und Jesus wurde gut beobachtet. Er fiel aus der Rolle. Anderssein provoziert. Das zieht automatisch Blicke an. So schauten Menschen bei IHM noch genauer hin, als bei vielen unauffällig lebenden Menschen. So gab es Menschen, die von Jesus beeindruckt waren und solche, die ihn kategorisch ablehnten. Die einen fühlten sich in seiner Nähe wohl und gut aufgehoben, die anderen eher unwohl und hinterfragt. Steht ein heruntergekommener Mensch neben einem Obdachlosen, so sieht sich der „Unbeheimatete“ auf Augenhöhe und wahrgenommen. Steht ein sogenannter „Landstreicher“ (das können auch Akademiker sein, die ihre Arbeit verloren haben) neben einem edel gekleideten Hohenpriester, so fühlt sich der Priester vermutlich eher unwohl in seiner Robe und hält Abstand. Und das hier sind nur Äußerlichkeiten. Wie mag es im jeweiligen Inneren dieser so verschiedenen Menschen aussehen?

Zu allen Zeiten werden Menschen auf ihre Glaubwürdigkeit geprüft. Auch Jesus steht immer wieder auf dem Prüfstand. Stimmen seine Worte und seine Taten überein? Was hat er Neues zu sagen? Ist er wirklich glaubwürdig? Auch Jesus hat einen Ruf zu verlieren, als Wegweiser zum himmlischen Vater, als Heiler, als Prediger, als Rabbi, als Lehrer. Auch von Jesus verbreiten sich Gerüchte und Geschichten von Mensch zu Mensch. Auch wenn Jesus vermutlich nur zwei Jahre wirklich öffentlich gewirkt hat, fiel er derart auf, dass Menschen immer wieder von diesem außergewöhnlichen Menschen erzählten und dies bis heute tun.
Die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem lässt ein wenig exemplarisch (beispielhaft) sichtbar werden, was so komplett anders an dem Menschen Jesus ist, als es die Gesellschaft gewohnt ist. Die Szene vom Einzug Jesu in Jerusalem will zeigen, dass es sich lohnt, Jesus zu vertrauen. Deshalb entwirft sein Einzug ein Gegenbild zu dem Triumphzug eines irdischen Würdenträgers (eines Königs, Kaisers oder auch Feldherren):

Jesus weiß zutiefst um die Abhängigkeit von unserem Schöpfer, von Gott. Deshalb verzichtet er auf jegliches Gepäck oder auch auf Reiseproviant.

Jesus weiß sich zutiefst eingebunden in die mitmenschliche Gemeinschaft. Deshalb vertraut er darauf, dass Mitmenschen ihn versorgen und beherbergen.

Jesus weiß um die Trittsicherheit von Eseln und die Kraft ihrer Intuition. Deshalb nimmt er auch für sich die Stärken eines Esels in Anspruch, die den Propheten Bileam in einer Begegnung mit dem Engel vor dem Abgrund bewahrt haben. (4. Mose 22,22-33)

Jesus erinnert an die prophetische Verheißung Gottes aus Sacharja 9,9
Deshalb reitet er als armer, Recht schaffender Helfer und Friedefürst auf dem Füllen einer Eselin in die Heilige Stadt Jerusalem.

Jesu Kommen wird als fruchtbare Zeit wahrgenommen.
Deshalb schneiden Menschen grüne Zweige und Strohbüschel von den Äckern und breiten sie vor ihm aus.

Jesus wird als von Gott geschickter Friedensbringer eindeutig erkannt.
Deshalb greifen Menschen zum Palmzweig, der nicht nur als Siegeszeichen bekannt ist, sondern in der jüdischen Tradition auch das Rückgrat symbolisiert, das sich vor Gott beugt.

Jesu Gegenwart schafft Nähe und das Ablegen jeder Scham.
Deshalb legen Menschen ihre Schutz-Kleidung ab und legen sie Jesus zu Füßen. IHM können sie frei begegnen, ohne sich bloßgestellt vorzukommen. Hier braucht es keine „Rüstung“ nach dem Motto „Kleider machen Leute“. Jesus schaut ins Herz, und das zugewandt und liebevoll.

Jesu Gehör gibt jedem Menschen eine Stimme.
Deshalb trauen sich die Menschen laut zu werden, auf sich aufmerksam zu machen und zu rufen.

Jesu Gottesverbundenheit weckt Hoffnung.
Deshalb schreien die Menschen „Hosianna“, ursprünglich ein Bittruf in äußerster Not an Gott, der auch zu einem Heilsruf wurde.

Immer neu wird Jesus auf seine Glaubwürdigkeit geprüft.
Wir Menschen unterziehen Jesus ständig einer Art Qualitätskontrolle, einer Echtheitsprüfung auf Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Lebte er selbst, wovon er predigte? Stand er für die Botschaft ein, die er verbreitete? Die Geschichten von seiner Passion, seiner „Leiden-schaft“ für den Menschen schlechthin, zeigen auf, dass er lebte, was er von Gott verstanden hatte. Jesus saß nicht hoch zu Ross, sondern ließ Nähe und Begegnung auf Augenhöhe zu. Er war tief in seinem Innern mit Liebe gefüllt und dieser Liebe war er treu bis zum Schluss. Für dieses menschenfreundliche und erfüllte Leben riskierte er auch seine Vernichtung durch den irdischen Tod. Jesus lebte ein Leben voller Hingabe an Gott für uns Menschen.

Keines seiner Worte glaubte ich,
hätte er nicht geschrien: Gott, warum hast du mich verlassen.
Das ist mein Wort, das Wort des untersten Menschen.
Und weil er selber so weit unten war,
ein Mensch, der „Warum“ schreit, und schreit „Verlassen“,
deshalb könnte man auch die anderen Worte,
die von weiter oben, vielleicht ihm glauben.
Rudolf Otto Wiemer

Macht hoch die Tür“ eg 1,4.5
4. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; eu´r Herz zum Tempel zubereit`.
Die Zweiglein der Gottseligkeit steckt auf mit Andacht, Lust und Freud;
so kommt der König auch zu euch, ja, Heil und Leben mit zugleich.
Gelobet sei mein Gott, voll Rat, voll Tat, voll Gnad.
5. Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein; dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr.

Fürbitten-Gebet
Gott, Schöpfer und Vollender unseres Lebens,
Du zeigst uns durch Jesus und sein Leben
einen Weg, der heilsam ist,
für uns selbst und für andere.
Hilf, dass wir seinem Vorbild folgen
und an Gottes Reich auf dieser Erde mitwirken.
Wir befehlen uns Dir an und beten:

Vater unser
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen
Gott, der Herr, segne dich und behüte dich.
Er lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.
Er erhebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir seinen Frieden.

Amen.

Autorin: Pfarrerin Angela Schiller-Meyer