Lese Gottesdienst – Pfingstsonntag 23.05.2021

Lese Gottesdienst – Pfingstsonntag 23.05.2021

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  • Beitrags-Kategorie:Allgemein
  • Beitrag zuletzt geändert am:27. Mai 2021

Autorin und Foto: Pfarrerin Angela Schiller-Meyer

Kurze Einführung ins Thema

Wie schön, dass Sie da sind.
Am heutigen Pfingstfest feiern wir GOTTES Geistes-Gegenwart.
Gott teilt sich mit.
In SEINER Schöpfung teilt GOTT sein DA-Sein mit uns.
In SEINEM Sohn Jesus teilt GOTT sein Mensch-Sein mit uns.
In SEINEM Heiligen Geist teilt GOTT SEINE göttliche Herzenskraft mit uns.

Unser himmlischer Vater teilt großzügig aus,
damit wir alle genug haben.
ER beschenkt uns mit vielfältigen Geistesgaben,
damit wir alle auf dieser Erde gut zueinander stehen.
GOTT beseelt uns mit SEINER heilsamen Kraft,
damit wir gut zueinander zu stehen.

Gott verströmt SEINE göttliche Seelenkraft,
die Mauern überwindet und
Herzen berührt.
Aus der Ewigkeit strahlt sie in unsere Welt hinein.

Gebet

Gott, Schöpfer und Vollender unseres Lebens,
Noch immer wütet die Covid 19- Pandemie.
Menschen verelenden,
erkranken an Leib und Seele
oder erleiden einsam einen qualvollen Tod.
Der Kampf ums Überleben ermüdet.
Geduld, Mitgefühl und Energie sind nahezu am Ende.
Viele von uns sind ausgebrannt.
Außerdem bereichern sich Menschen auf Kosten anderer.
Machtkämpfe aller Art zerstören die Lebensgrundlage
vieler Leidensgenossen auf unserem gesamten Planeten.
Wir wenden uns zu DIR.
GOTT, unser aller himmlischer Vater,
DU bist unsere Hoffnung.
Wie Jesus wollen wir DIR vertrauen.
Wir halten Dir unsere bedrängte Seele hin,
wenn wir in der Stille mit einstimmen in den Ruf aus Taizé.

Wenn wir bekennen „Ich glaube an Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde“, dann stellen wir uns an die Seite unseres Schöpfers. Wir vertrauen uns Gott an, SEINER kreativen und phantasiebegabten Macht, die immer neue Möglichkeiten sieht und schafft, wo wir verzagen.

Ein Mensch unserer Zeit drückt die Sehnsucht vieler Menschen aus, wenn er ein altes Lied der Bibel (Ps. 100) so übersetzt:

Nach Psalm 100

Alle Länder der Erde, die Regierungen aller Völker,
die Bewohner der Städte, die Menschen aller Landschaften
haben einen Wunsch:
Sie loben Gott, ihren Herrn.
Sie führen keine Kriege mehr.
Sie misshandeln keine Menschen.
Sie kämpfen nicht mehr gegeneinander.
Sie zerstören nicht mehr die Erde,
sie legen die Schöpfung zurück in Gottes Hand.
Sie haben erkannt: Gott allein ist der Herr.
Sie dienen Gott mit großer Freude:
Helfen und Heilen ist ihnen in Fleisch und Blut übergegangen.
Ihre Freude wirkt wie eine ansteckende Gesundheit.
Noch viele Menschen werden diese Freude weitergeben
und von ihr erzählen:
Alle Menschen der Erde, die Regierungen alle Völker,
die Bewohner der Städte, die Menschen aller Landschaften
verwirklichen die Güte Gottes.

Kurze Einführung in die Schriftlesung

Die Ur-Geschichten in unserer Bibel, sind keine Zeitungsberichte. Es sind keine Geschichten von Augenzeugen, sondern von „Seelenzeugen“. In diesen uralten Erzählungen unserer Heiligen Schrift wird aufgezeigt, wie stark bestimmte Wesenszüge Menschen prägen können und wozu bestimmte Einstellungen Menschen führen oder sogar „ver-führen“ können. Neid – wie bei Kain und Abel – führt zu Unfrieden. Betrug – wie bei Jakob und Esau – führt zu Streit und zur Flucht. Überheblichkeit und Größenwahn – wie beim Turmbau zu Babel – führt zu Fall und Zerstörung. Davon möchte uns die Urgeschichte aus dem 1. Buch Mose erzählen:

Schriftlesung: 1. Mose 11,1-9

Lutherbibel 2017

1 Es hatte aber alle Welt
einerlei Zunge und Sprache.

2 Als sie nun von Osten aufbrachen,
fanden sie eine Ebene im Lande Schinar
und wohnten daselbst.

3 Und sie sprachen untereinander:
Wohlauf,
lasst uns Ziegel streichen und brennen!“
– und nahmen Ziegel als Stein
und Erdharz als Mörtel

4 und sprachen:
„Wohlauf,
lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen,
dessen Spitze bis an den Himmel reiche,
dass wir uns einen Namen machen;
denn wir werden sonst zerstreut
über die ganze Erde.“

5 Da fuhr der HERR hernieder,
dass er sähe die Stadt und den Turm,
die die Menschenkinder bauten.

6 Und der HERR sprach:
Siehe,
es ist einerlei Volk und einerlei Sprache
unter ihnen allen
und dies ist erst der Anfang ihres Tuns;
nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können
von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun.

7 Wohlauf,
lasst uns hernieder fahren
und dort ihre Sprache verwirren,
dass keiner des anderen Sprache verstehe!“

8 So zerstreute sie der Herr von dort
über die ganze Erde,
dass sie aufhören mussten,
die Stadt zu bauen.

9 Daher heißt ihr Name „Babel“,
weil der Herr daselbst verwirrt hat aller Welt Sprache
und sie von dort zerstreut hat
über die ganze Erde.

Ansprache

Feuer fangen – be-geist-ert werden – geistesgegenwärtig sein“

Liebe Mitchristen,

An der Sprache scheiden sich die „Geister“. Wenn mein 3. Sohn und seine Frau ins Indonesische wechseln, sind wir als Familie außen vor. Beide haben ihr freiwilliges Soziales Jahr in Indonesien gemacht und waren immer wieder dort.

Sprache schließt Menschen ein, oder eben auch aus. Sprache schafft Nähe oder eben Abstand. In der gemeinsamen Sprache fühle ich mich Zuhause. In der mir fremden Sprache fühle ich mich oft hilflos und verloren. Wer im Ausland ins Krankenhaus muss, kann meist nur noch auf die Herzens-Sprache der Mitmenschen hoffen, denn die unverständlichen Worte kann er nicht aufnehmen.

Sprach-Barrieren kennen wir alle. Sprache schafft Nähe oder Distanz
Da sind die fehlenden Worte in der Partnerschaft.
Da sind die vielen Miss-Verständnisse durch Fehl-Deutungen.
Da sind die Dialekte, die Milieusprachen, die Gendersprache, die Fremdsprachen.
Da ist die abwertende Sprache des Rassismus oder die wertschätzende Sprache der Anerkennung.

Sprache ist eine Grundlebensäußerung des Menschen. In der Sprache zeigen wir uns. Durch die Sprache kommen wir Menschen miteinander in Kontakt oder grenzen uns voneinander ab. Nicht nur der Philosoph und Germanist Robert Habeck verweist darauf, dass die Sprache das Klima in unserer Gesellschaft widerspiegelt.

Sprechen zu können ist ein urmenschliches Bedürfnis. Es gehört zu unserem Menschsein dazu. Nicht nur kleine Kinder empfinden eine tiefe Freude, wenn sich ihnen durch Worte die Welt neu erschließt. Ich lerne gerade Vögel zu benennen, weil ich mir „blöd“ dabei vorkomme, wenn ich meinem fast zweijährigen Enkel immer nur von einem „Piep-Vogel“ erzähle statt von einer Amsel, einem Eichelhäher, einem Rotkehlchen…

Sprache eröffnet neuen Lebensraum oder aber verschließt ihn. Sprache kommt tief aus unserer Seele und trägt nach außen, was uns als Menschen wichtig ist. „Alles ist Sprache“ sagt Francoise Doltó, (1908 – 1988) die französische Kinderärztin und Psychoanalytikerin. Unser Körper spricht, unser Verhalten spricht, unsere Mimik spricht, und unsere Seele schreit bisweilen. Sprache ist gemeinschaftsfördernd oder eben auch gemeinschaftszerstörend.

An der Sprache zeigt sich, von welchem Geist ich angetrieben bin.

In der UR-Geschichte vom Turmbau zu Babel wird märchenhaft beschrieben, welcher Geist Menschen antreiben kann. Dort ist es der Geist, bis in göttliche Sphären eindringen zu wollen. Dabei gefährdet der Mensch sich selbst. In seiner Überheblichkeit gegenüber GOTT bringt er sich selbst und andere in Gefahr. Der Mensch zerstört seinen eigenen ihm zugedachten Lebensraum und auch die gemeinsame Sprache. Durch Unbedachtsamkeit, Hochmut und vor allem durch die Missachtung der von Gott gesetzten Grenzen.

Ohne die Geschichte vom Turmbau zu Babel, ist die biblische Pfingsterzählung nicht wirklich zu verstehen. Ich möchte sie Ihnen kurz darstellen:

Nach dem Tod von Jesus waren in Jerusalem die ganzen alten Freunde von Jesus versammelt, wie Petrus, Johannes und Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus (Sohn des Alphäus) und Simon, (der Zelo), und Judas, (der Sohn des Jakobus). Sie hielten sich im Obergemach eines Hauses auf.

Diese alle waren dort, fest verharrend, einmütig im Gebet mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

Apostelgeschichte 2,1-13

1 Und
während des Pfingstfestes,
sie waren ja alle zusammen an demselben Ort,
im Gebet verbunden. (Apg 1,14)

2 da geschah plötzlich
vom Himmel ein Brausen
wie eines daher fahrenden gewaltigen Windes
und erfüllte das ganze Haus, wo sie beieinander saßen.

3 und es erschienen ihnen
sich zerteilende Zungen wie von Feuer,
und es setzte sich auf einen jeden von ihnen,

4 und sie wurden erfüllt
alle
mit heiligem Geist,
und sie begannen zu reden mit anderen Zungen (Sprachen)
wie der Geist ihnen gab, auszusprechen.

5 Es waren aber in Jerusalem wohnende Juden,
gottesfürchtige Männer aus jedem Volk der Völker
unter dem Himmel.

6 Als aber geschehen war, dieses Brausen, diese Stimme,
kam die Menge zusammen
und wurde aus der Fassung gebracht (verwirrt, durcheinander gebracht)
weil sie einen jeden
in ihrer eigenen Sprache reden hörten.

7 Sie aber gerieten außer sich
und wunderten sich,
indem sie sagten:
Sind nicht alle diese Redenden Galiläer?

8 Und wie hören wir sie jeder in unserer eigenen Sprache,
in der Sprache, in der wir geboren sind?“

9 Parther und Meder und Ekamiter
und die Bewohner Mesopotamiens (Babylonien),
sowohl Judäa als auch Kappadokien,
Pontus und Asien,

10 sowohl Phrygien als auch Pamphylien,
Ägypten und die Gebiete Libyens – hin bis zu Cyrene,
und die sich hier aufhaltenden Römer,

11 sowohl Juden als auch Proselyten (Heide, der zum Judentum übergetreten war)
Kreter und Araber,
wir hören sie mit unseren Sprachen
von den Großtaten Gottes reden.

12 Sie gerieten außer sich (waren völlig verwirrt),
aber alle
und waren ratlos,
indem sie einer zum anderen sagten:
Was will dies sein?“ („Was mag dies bedeuten?“)

13 Andere sagten aber spottend:
Mit süßem Wein angefüllt sind sie!“

Menschen fangen Feuer, werden be-geistert und handeln geistesgegenwärtig.

In der Geschichte vom Turmbau ist der Mensch der Initiator – er will in den Himmel – und das riesige Bauprojekt zerbricht – an Sprachschwierigkeiten.
In der Pfingstgeschichte ist GOTT der Initiator – ER begeistert Menschen – und führt fremde Menschen zusammen – durch gegenseitiges Verstehen.

In der Geschichte vom Turmbau wird das Feuer genutzt, um Ziegel zu brennen.
In der Pfingstgeschichte wird das Bild des Feuers genutzt, um Menschenherzen zu entflammen.

In der Geschichte vom Turmbau will der Mensch sich einen Namen machen und groß herauskommen. Und berühmt wird sein Scheitern.
In der Pfingstgeschichte macht GOTT sich einen Namen und kommt groß raus. Und laut verkündet werden die riesigen Möglichkeiten GOTTES.

In der Geschichte vom Turmbau setzt GOTT Grenzen durch Sprachbarrieren.
In der Pfingstgeschichte überwindet GOTT alle Sprachhindernisse und schafft Herzens-Berührungen.

In der Geschichte vom Turmbau kreisen die Menschen nur um sich selbst und erleben, Zerstreuung, Vereinzelung und Abstand.
In der Pfingstgeschichte richten sich die Menschen nach Gott aus (im gemeinsamen Gebet) und erfahren Völkerverständigung, Nähe und Gemeinschaft.

In der Geschichte vom Turmbau planen Menschen ein irdisches Bauwerk.
In der Pfingstgeschichte warten Menschen auf GOTTES Werk am Bau.

In der Geschichte vom Turmbau will der Mensch in den Himmel.
In der Pfingstgeschichte will GOTT auf die Erde.

GOTT will auf die Erde, auch zu mir und zu dir. Gott steht vor unserer Herzenstür sagt: Lasst meinen Geist ein! Nicht immer kommt er wie im Sturmwind oder mit einer großen Feuersbrunst, die Menschen mitreißt zu einem völlig ungewöhnlichem Verhalten. Manchmal ist einfach nur unsere Geistesgegenwart gefordert, wie bei dem Polizisten Thomas Lebkücher am 18. April 2021 in Worms:

Bei einer Querdenker-Demonstration, die als Gottesdienst deklariert war, bittet dieser Polizist alle Anwesenden sich als gläubige Christenmenschen an die (Corona-) Regeln zu halten. Einer der Anwesenden fragt ihn daraufhin provozierend „Was würde Jesus (dazu) heute sagen? Würde er wollen, dass man eine Maske trage und sich impfen ließe, oder dass man zu Gott bete?“

Lebküchers Antwort: „Er würde sagen, betet so, dass ihr keinem anderen schadet.“ Er geht auf den Skeptischen zu, die Daumen locker in den Gürtel geklemmt. Er hat die Aufmerksamkeit aller, als er von Jesus im Garten Gethsemane erzählt, der –kurz bevor er verhaftet werden sollte – ausgerechnet das Ohr eines verletzten Soldaten heilte. „Weil er davon geprägt war, den Nächsten mehr zu lieben als sich selbst…Wenn wir uns alle daran hielten, hätten wir kein Problem.“ (Twitter, 1,5 Minuten, 300 000 clicks – zitiert nach Publik-Forum 8, 2021)

Geistesgegenwärtig sein“ heißt Gott im Blick zu halten und auf Jesus zu setzen. Dann kann es geschehen, dass völlig unerwartet der Heilige Geist auch durch uns wirkt und Heilsames geschieht für dich, für mich, für uns alle. Amen.

Lasst uns die Welt ins Gebet nehmen“

Aus Mein Liederbuch 2, tvd- Verlag

Lasst uns die Welt ins Gebet nehmen,
wo Gott verloren ging, lasst uns nach ihm suchen,
lasst uns Geschichten erzählen von einem neuen Himmel und einer neuen Erde.

Lasst uns die Welt ins Gebet nehmen,
wo die Liebe sich ducken muss, lasst uns sie aufrichten,
lasst uns die Zärtlichkeit neu entdecken in den Augen derer, die uns begegnen.

Lasst uns die Welt ins Gebet nehmen,
wo das Recht vor die Hunde geht, lasst uns den Aufstand wagen,
lasst uns die Gnade Gottes einschreiben in die Herzen der Richter.

Lasst uns die Welt ins Gebet nehmen,
wo der Friede verwundet wird, lasst uns uns verbinden,
lasst uns eine Hoffnung ausbreiten über die ganze Schöpfung.

Fürbitten-Gebet 1

Gott, Schöpfer und Bewahrer unseres Lebens,
tief in uns schlummert ein feuriges Herz.
Es will glühen, wärmen und brennen.
Oft ist es erkaltet, weil es den Kontakt zu Dir verloren hat.
Gott wir brauchen DEINE Heilige Geisteskraft
die in uns neu die Flamme DEINER Liebe entzündet.
Unser Herz und unsere Erde brauchen den „Feuer-Eifer“ Deiner Liebe.
Wir wollen ansteckend sein mit der UR-Kraft Deines Heiligen Geistes.
Wir bitten um die Eintracht in unserer Gesellschaft.
Wir bitten um die Heilung vieler verletzter Herzen.
Wir bitten um das Aufblühen unseres geschundenen Planeten.
Wir bitten um die Entfaltung unserer bedrückten Völker.
Wir bitten um Deinen heilsamen Schalom für unsere ganze Erde.

Fürbitten-Gebet 2

Lass uns zu Deinem Sohn oder zu Deiner Tochter werden.
Zu Menschenkindern des Himmels,
DIR zur Ehre.
Wir befehlen uns Dir an und beten:

Vater unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen

Gott, der Herr, segne dich und behüte dich.
Er lasse leuchten sein Angesicht über dir
und sei dir gnädig.
Er erhebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir seinen Frieden.
Amen.