„Stillstand und BeWEGung in der Erlöserkirche“  XXI. KunsTraumKirche 2016 – vom 14. Februar bis 17. April

Stillstand und BeWEGung in der Erlöserkirche – eine Installation –

Ausgangspunkt: Durch Begegnung findet BeWEGung statt
Eine Kirche öffnet sich, etwas passiert, kommt in BeWEGung. Menschen beWEGen sich in diese Kirche, begegnen sich dort, etwas kommt in BeWEGung, sie gehen mit neuen Gedanken aus der Kirche und beWEGen draußen. Diese Energie spürt man in der Kirche, auch wenn niemand da ist: Da beWEGt sich etwas, da passiert etwas.

Thema der Installation: Man braucht BeWEGung und Stillstand – ein hermeneutischer Zirkel
Wir beWEGen uns unentwegt und um uns herum ist ebenfalls alles in BeWEGung. Und wenn wir still werden, bewegen sich unsere Gedanken. Körperliche und geistige Bewegung macht Spass, tut gut, erzeugt Wärme und ist manchmal auch anstrengend. Wenn man still hält, innehält, dann beWEGt sich etwas im Kopf, in der Seele, im Inneren. Wer zu still hält, fällt vielleicht in die Starre, für den wird BeWEGung schmerzhaft oder unmöglich. Ich muss mich also sowohl immer wieder beWEGen als auch still werden.
Unsere Augen können keine BeWEGung sehen, sondern nur deren Auswirkungen wie beispielsweise fliegende Vögel, vorbeiziehende Wolken oder springende Kinder. BeWEGung ist dann am einfachsten wahrzunehmen, wenn wir uns selber nicht beWEGen. Aber wir haben keinen Sinn, der die BeWEGung in der Außenwelt unmittelbar wahrnehmen kann. Allerdings sind wir in der Lage, die sich beWEGende Welt zu begreifen, indem wir sie nachsingen, nachsprechen, nachbeWEGen… Rudolph Steiner spricht in diesem Zusammenhang vom „Eigenbewegungssinn“, den jeder Mensch hat, und der uns jede feinste BeWEGung aus der Außenwelt wahrnehmen lässt, indem wir jede BeWEGung unbewusst nachmachen. Unser „Bewegungsorganismus“ mache in subtiler Weise jede BeWEGung unbewusst nach.
Alles in der Welt ist selbst beWEGt, beWEGlich, oder die BeWEGung ist von innen gegeben (wie in den Tieren und Menschen). Wenn etwas leicht ist, beWEGt es sich nach oben, wenn etwas schwer ist, nach unten. Um BeWEGung nun auffassen zu können, müssen wir uns aber in Ruhe oder in einem anderen Tempo beWEGen. Wir Menschen können uns im Gegensatz zum Tier dabei frei, bewusst und geistig selbstbestimmt beWEGen und handeln. Allerdings schaffen wir Menschen uns eine immer schnellere, beschleunigte Welt, alles rast um uns, wir sind von Technik umgeben, was es schwer macht, die BeWEGung wahrzunehmen und zu verstehen.

Beispiel
Der EigenbeWEGungssinn wird überfordert. Die naturgegebenen BeWEGungen sind  harmonisch und ohne Probleme wahrzunehmen, die technische, rasante Welt ist aber „ohne Seele“, leer bedrückend, manchmal unheimlich, manchmal so rasant und schnell in ihren Bildern, in ihrem Tempo.
Man ist überall unterwegs, schnell unterwegs, virtuell unterwegs, nicht mehr an einem Ort, nicht mehr da, hat Stress, wenn man an vielen Stellen gleichzeitig ist, …
Daher ist es meiner Meinung nach sinnvoll, sich nicht nur dieser Tendenzen bewusst zu werden, ihre Gefahren wahrzunehmen, sondern ab und zu still zu werden und durch geistig-seelische BeWEGung in der Wahrnehmung und im Kopf beweglich zu bleiben. Dann können auch wieder neue WEGe gegangen werden, ist neue BeWEGung möglich.

„Ich bewege mich im Raum,
auf andere zu,
in der Zeit, durch die Zeit,
von Ort zu Ort,
mal allein und mal in Gemeinschaft.
Ich bewege mich auf Wegen,
die ich sehe
und suche.
Wege sind aber vorgegeben.
Ich bewege mich im Raum.
Bewege ich mich frei?
Ich soll genau diesen Weg gehen?
Und wenn ich einfach stehenbleibe?
Mich umdrehe?
Rückwärts bewege?
Ich höre Bewegung.
Ich spüre Bewegung.
Innehalten tut so gut.
Ich spüre mich.
Stillstand, um andere wahrzunehmen.
Und die Gedanken sind immer in Bewegung,
je stiller ich stehe.“
Alessandra Nitsch

Die Ausstellung wird in einem besonderen Gottesdienst mit Pfarrer Andreas Pasquay am 14. Februar um 11.00 Uhr (dem ‚Tag der Presbyterwahl‘ – das Thema der Ausstellung steht zum Anlass in direkter Zusammenhangslosigkeit) eröffnet und dauert bis zum 17. April 2016.

Weitere Informationen:
Erläuterungen zur Kirchen-Installation
Vita Alessandra Nitsch

Grafik und Layout: Andreas Pasquay, Alessandra Nitsch